Böhm Zertifizierung in Kennelbach

Eine Gruppe von Frauen, die für ein Foto posiert

©Sozialdienste Wolfurt

Ein Zuhause, das sich wie Daheim anfühlt: Kennelbachs Wohngemeinschaft erhält erstmalig das Böhm-Zertifikat

Kennelbach, September 2026 – In der Wohngemeinschaft in Kennelbach wird nicht nur gelebt – hier wird Daheimgefühl großgeschrieben. Das bestätigte nun auch die offizielle Verleihung des Böhm- Zertifikats, eine Auszeichnung für Einrichtungen, die das psychobiographische Pflegemodell nach Prof. Erwin Böhm vorbildlich umsetzen. Doch was steckt hinter diesem Modell – und warum ist es für die Bewohnenden Kennelbach so besonders?

„Erst muss die Seele bewegt werden – dann bewegt sich der Mensch.“

Dieser Leitsatz von Prof. Böhm ist kein leeres Wort, sondern gelebte Praxis. In der Wohngemeinschaft Kennelbach bedeutet das:

  • Jeder ist individuell: Ob beim gemeinsamen Kaffee am Morgen oder bei Spaziergang durch den Ort - die Bewohnenden bestimmen selbst, wie ihr Alltag aussieht. 
  • Vertrautes schafft Sicherheit: Alte Möbel, bekannte Gerüche, Rituale wie das gemeinsame Singen oder das Feiern von Festen - alles ist daruf ausgerichtet, Erinnerungen zu wecken und ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. 
  • Wertschätzung steht an erster Stelle: Die Lebensgeschichte jedes Einzelnen wird ernst genommen. Denn: "Der alte Mensch ist Lehrer und Berater - er hat ein Leben gemeistert."

Warum das Zertifikat mehr als nur ein Stück Papier ist

Das Böhm-Zertifikat ist kein Standard-Stempel, sondern das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Es bestätigt, dass die Wohngemeinschaft Kennelbach die 7 Interaktionsstufen des Modells kennt und anwendet – von der Urkommunikation (wenn Worte nicht mehr reichen) bis zur Resozialisation (wenn das Hier und Jetzt im Mittelpunkt steht).
 Praktisch heißt das:

  • Wer in seiner Kindheit gelernt hat, dass „Ordnung das halbe Leben“ ist, darf auch heute noch Handtücher falten oder den Tisch decken - und spürt: Ich werde gebraucht. 
  • Wer früher auf dem Bauernhof lebte, findet in der Wohngemeinschaft vertraute Geräusche (das Klappern von Geschirr, das Summen alter Lieder= und Aktivitäten (Gartenarbeit, Kochen), die an frühere Zeiten erinnern. 
  • Wer sich in der „Altzeit“ bewegt, bekommt durch Dialekt, Fotos oder alte Redensarten das Gefühl: Hier versteht mich jemand. 

Ein Erfolg für Kennelbach – und ein Vorbild für die Region

Die Verleihung des Zertifikats ist nicht nur ein Grund zur Freude für die Bewohnenden und das Team, sondern auch ein Signal an die Gemeinden im Hofsteig:

„Es geht nicht darum, Menschen in ein System zu pressen, sondern ihnen ein Zuhause zu geben – mit all ihren Eigenheiten, ihrer Geschichte und ihren Bedürfnissen.“ – Wiltrud Oberhofer, Pflegeleitung

Was das für Sie bedeutet?

Sie fragen sich: „Was bringt das meinem Vater, meiner Mutter – oder mir selbst, wenn ich später Hilfe brauche?“ 

Die Antwort ist einfach:

  • Kein Tag ist wie der andere – aber jeder Tag fühlt sich vertraut an.
  • Einsamkeit hat hier keinen Platz – denn Gemeinschaft entsteht durch gemeinsame Rituale, sei es das Kaffeetrinken am Nachmittag oder das Feiern von Erntedank. 
  • Jeder wird so angenommen, wie er ist – mit seinen Stärken, Schwächen und seiner ganz eigenen Geschichte.

Das Böhm-Zertifikat ist kein Ziel, sondern ein Versprechen – an die Bewohnenden, ihre Familien und die ganze Region. Ein Versprechen, das in Kennelbach täglich eingelöst wird.

22.09.2026